Freitag, 8. November 2013

Lieschen will sich doch lieber freuen ... und freut sich

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 88  ---> guckst du hier

Als eben das Telefon klingelte wollte das Lieschen erst gar nicht dran gehen. Sie war nämlich im Stress. Berge von Stoffen türmten sich auf dem Boden ihrer „Fabrik“. Fabrik nennt sie das Näh- und Bastelzimmer, weil ihr diese Bezeichnung genau das Chaos erlaubt, das sie für kreative Maßnahmen braucht und das sie in anderen Räumen stören würde. Lieschen hat nämlich morgen Abend Klassentreffen und NICHTS anzuziehen. Garnichts. ÜBERHAUPT Garnichts. Nur drei angefangene Kleider. Und noch ca. vier andere in ihrem Kopf. Wenigstens eins wollte sie gerade fertig machen als das Telefon klingelte. 

Als sie auf dem Display sah, dass die Grete das Klingeln verursacht hat, ist sie natürlich dran gegangen, hat aber sofort über ihre aussichtslose Lage gestöhnt. „Nix hab ich anzuziehen. Ich kann da nicht hin gehen“ hat sie gesagt und die Grete wusste sofort Bescheid. „Quatsch! Was auch immer es ist. Du gehst dahin!“ Das hatte sie der Liese schon oft befohlen. Und wie immer fügte sie hinzu „Das Tigerkleid. Nimm das. Das passt immer.“ „Diesmal nicht, Grete. Diesmal nicht. Klassentreffen! Nur Frauen! Und die haben mich 35 Jahre nicht gesehen! Ich muss einen 1A Eindruck machen! Ich kann KEINESFALLS das alte Kleid anziehen!“ „Klar kannste! Machste ja eh zum Schluss, wenn es dir in letzter Sekunde dann doch egal ist.“ Die Grete kennt das Lieschen gut. Einen Tag vor irgendeinem Ereignis, zu dem sie eigentlich nicht hingehen will, macht sie sich jede Menge Stress. Sie strickt und näht als ginge es um ihr Leben und wenn es dann soweit ist geht sie entweder nicht hin oder zuppelt halt irgendetwas aus ihrem Schrank, in dem sie sich wohl fühlt. „Ach Grete hast ja Recht! Wie immer. Was gibt’s eigentlich? Warum rufst du an, du Gewohnheitstier, das normalerweise am Samstag anruft?“ 

Lieschen hatte es sich mittlerweile, nach einem kurzen Blick in den Kleiderschrank, der ihr die Gewissheit gab, dass das Tigerkleid nicht zufällig in der Wäsche war, im Sessel gemütlich gemacht und hörte nun Gretes Anliegen zu. Ach was hat sie sich geschämt. Die Grete kam mit der Erinnerung an ein echtes Problem. Sie erzählte noch einmal von ihrer Krebserkrankung, von das Lieschen damals in der akuten Zeit gar nichts erfahren hat. Erst hinterher hat die Grete ihr das erzählt. Diagnose und Krankenhausaufenthalt hat die Grete ihr damals als Urlaub „verkauft“ und erst hinterher die Wahrheit berichtet. Lieschen hat erst davon erfahren als „alles vorbei war“. Schwach war die Grete wohl noch, aber geheilt, wie sie sagte. Richtig darüber sprechen wollte sie aber auch dann nicht. Ist gut gegangen und nun ist es vorbei, hat sie gesagt und das Thema gewechselt. Vielleicht war das gut so. Das Lieschen hätte sich natürlich ne Menge Sorgen gemacht, wenn sie es vorher erfahren hätte und wer weiß, was sie alles gefragt und gesagt hätte, wenn die Grete das Thema nicht gewechselt hätte. 

Heute ist der Grete das ganze Thema wieder eingefallen, weil sie ein Video von einer im OP tanzenden Frau gesehen hat. Immer wieder. Und jetzt wollte sie wissen, was die Liese davon hält und von vorsichtshalber amputierten Brüsten, Vorsorgeuntersuchungen und vor allem eben von dieser tanzenden Frau. Aber die Liese hat keine eindeutige Meinung. Bisher hatte sie ja Glück und ihr ist eine Krebsdiagnose erspart geblieben. Gottseidank. Das heißt natürlich nicht, dass sie nie Krebs hatte oder hat. Die Liese geht nämlich niemals zur Vorsorge. Da können die Leute sagen, was sie wollen. Damit macht sie sich keinen Stress. Erst neulich hat sie wieder diesen Schrieb von der Krankenkasse weggeschmissen, der sie zur Krebsvorsorgeuntersuchung einlud. Sie will das nicht wissen. So was macht sie nicht vorsorglich. Das kann die Grete natürlich nicht verstehen. Und das wiederum versteht die Liese. Grete ist ja in einer ganz anderen Situation. Vielleicht würde die Liese in ihrer Situation genauso handeln. Wer weiß.

Brüste würde sie niemals vorsichtshalber wegoperieren lassen, aber die tanzende Frau findet das Lieschen super. Sie selbst hat das Video ja nicht gesehen, aber das was Grete ihr erzählte klingt klasse, findet sie. Es ist möglich, dass im Tanzen gefühlte und ausgedrückte Freude das Leid und seine Ursachen „vertreibt“. Klingt komisch. Ist aber vielleicht so. Meint jedenfalls das Lieschen. Und die Grete ja auch. Die hat die Freude ja schon allein beim Zugucken gespürt.
Vielleicht würden wir uns alle viel Leid ersparen, wenn wir so aktiv wie diese im OP tanzende Frau die Freude in unsere Körper und unsere Leben einladen würden und sie unabhängig von den Umständen einfach ausdrücken würden. „Vielleicht wäre das die beste Vorsorge, Grete. Vielleicht sollten wir alle mehr tanzen.“

Die beiden haben noch über dies und das gesprochen, über vergangenes Leid und immer wieder über Freude und deren mögliche Kraft zur Heilung bzw. zur Verhinderung von Krankheit. So nachdenklich der Anlass des Anrufs war, so ausgelassen sind die beiden im weiteren Verlauf. Sie freuen sich. Beide. Aneinander und am Leben. Kann sein, dass sie sich am Mittwoch am Flussufer zum Tanzen treffen. Kann sein. Wenn sie den Mut dann noch haben. Sie werden spätestens am Dienstag noch einmal deswegen telefonieren. Lieschen kann ja auch beim Tanzen erzählen wie das Klassentreffen war und wie ihr Tigerkleid angekommen ist. Denn das wird sie nun definitiv tragen. Weil's nämlich wurscht ist, wie sie aussieht. Hauptsache sie hat Spaß. Das weiß sie nun wieder.




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Donnerstag, 7. November 2013

Das Lieschen atmet

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 87  ---> guckst du hier

Als Lieschen gestern verspätet mit wackeligen Knien und einem leichten Muskelkater im Kiefergelenk im Café ankam, saß die Grete schon am reservierten Tisch. Stocksteif und blass im Gesicht. So hatte die Liese ihre Freundin noch nie gesehen. Grete sitzt normalerweise eher entspannt mit rundem Rücken, ein wenig nach vorne gebeugt. Gestern aber nicht. Manchmal springt die Grete auch auf, wenn das Lieschen kommt oder sie dreht sich wenigstens in Richtung Tür, wenn sie eintrifft. Im Normalfall will sie nämlich Lieschens lustige Kleidung in Gänze und nicht nur im Sitzen betrachten. Gestern aber nicht. Es hat ein bisschen so gewirkt als freute sich die Grete gar nicht über Lieschens Ankunft. Natürlich hat das das Lieschen irritiert, aber bevor sie sich einen Kopf machte, ist sie beherzt zum Tisch gegangen, hat sich zur Grete herunter gebeugt, sie umarmt und gefragt was los ist.

Damit hat sie eine Art Maschinengewehrsalve provoziert, in der die Grete geschätzte 100.000 Wörter in der Minute unterbrachte. „Zumba, Muskelkater, Mord, Heidi, Berta, Susi, nie wieder, Po, Jogginganzug, Zumbamode, kostenlos, Dusche“ und immer wieder „niemals wieder“. Dem Lieschen glühten die Ohren. Sie hatte ja bis dahin noch niemals irgendetwas von Zumba gehört und überhaupt keine Ahnung, dass es sich um ein Mordwerkzeug für alternde Damen wie die Grete und sie selbst handeln könnte. Scheint auch gut getarnt zu sein und in öffentlichen Räumen stattzufinden. 

Die Grete hat dem Lieschen verboten über sie zu lachen. Sie sollte auch nicht sagen, dass eine ganze Stunde Sport für einen völlig untrainierten Mittefünfzigkörper, der hauptsächlich das Sitzen im Büro, im Wagen, auf dem Sofa und dem Balkon kennt,  vielleicht nicht ganz das Richtige ist. Und bedauern sollte sie sie auch nicht. Keinesfalls. „Bin ich ja selbst schuld“ sagte die Grete immer wieder. Und natürlich hat sich das Lieschen daran gehalten. Sie hat nix gesagt und erst mal auch nicht gelacht, obwohl sie sich dafür enorm zusammenreißen musste.

Sie selbst kam ja gerade vom „Atmen“ und spürte, wie schon so oft in den letzten Wochen, heraufziehenden Muskelkater in der Hüfte, den Beinen und dem Kiefer. Als sie das der Grete erzählte, entspannte die ein wenig, sank unter Stöhnen ein bisschen tiefer in den Stuhl mit dem Kissen und kämpfte selbst mit dem Lachen. „Du warst beim Atmen? Und davon kriegt man Muskelkater???“ Die Grete konnte das Lachen dann nicht mehr unterdrücken und das Lieschen stimmte mit ein. „Warum? Wie? Hä?“ japste die Grete zwischen Stückchen der mittlerweile eingetroffenen Torte, Lachgluckser und Schlückchen aus der Riesenkaffeetasse.

Also erzählte die Liese von dem kurzen Besuch der Freundin aus alter Zeit, die sie mehr als 15 Jahre nicht mehr gesehen hatte und die fand, dass sie, die Liese, ganz die Alte sei, ABER die Stimme so kratzig und fremd geworden wäre, dass sie sie kaum erkennen könnte. „Quatsch“ fand die Grete am Mittwoch und der Hermann damals. Aber das Lieschen selbst wusste schon, dass die Stimme immer tiefer geworden war und ihr das Sprechen manchmal nicht leicht und das Singen schon lange schwer fiel. Also hat sie sich einen Volkshochschulwochenendkurs mit dem Titel „Atem, Körper, Stimme“ rausgesucht, sich angemeldet und ist hin marschiert. Die Seminarleiterin, eine Sängerin, Gesangslehrerin und Atemtherapeutin war schockiert über Lieschens selten „anspringende“ Stimme, hat aber ihr Möglichstes getan, Lieschen und die anderen Teilnehmer mit gruseligen und lustigen Körper- und Atemübungen auf „Tonformungsübungen“ vorzubereiten. Am Ende des Wochenendes hatte die Liese einen ähnlich schlimmen Muskelkater wie die Grete am Mittwoch und wahrscheinlich heute auch noch. Aber sie konnte bereits lustige Töne formen, die dem Klang eines Didgeridoos  sehr ähnlich waren und sie hatte das ganze Wochenende über so viel Spaß, dass sie beschloss, die Dame regelmäßig für ein Stündchen aufzusuchen. 

Das hatte das Lieschen der Grete bis jetzt noch nicht erzählt, weil sie vermutete, dass die Grete das für Quatsch halten würde. Und so war das gestern alles neu für die Grete. Und was hat die sich amüsiert als das Lieschen ihr von ihrem Wackelbrett, den Noppenbällchen, dem Tönen mit Hüftübungen, dem „Kauen eines „Ws“ oder „Ms“ und lauter solchen Sachen erzählte. Und dass sie seit ein paar Wochen regelmäßig übt und trotzdem nach den Stunden bei  der Gesangslehrerin, die ihr nur das Tönen beibringen soll, leichten Muskelkater hat. 
Natürlich hat die Grete gelacht, aber nicht ÜBER die Liese speziell, sondern irgendwie aus Freude und ein bisschen über sie beide. Mitte Fünfzig und die großen Ausprobriererinnen vor dem Herrn.


Gestern waren die beiden nicht so oft zum Rauchen vor der Tür wie an einem gewöhnlichen Mittwoch. Den Lungen hat dieser Umstand vermutlich ebenso gefallen wie der Grete und der Liese der gemeinsame Mittwoch.




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Mittwoch, 6. November 2013

Lieschen verschiebt die Entscheidung ... noch

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 86  ---> guckst du hier  


„Tja“ denkt das Lieschen als sie Gretes Überlegungen zu Mr. Google und den Möglichkeiten, die „er“ uns heutzutage bietet, zu Ende gelesen hat. Die Liese nutzt das Internet mit allem was es bietet ja noch gar nicht so lange wie so manch anderer. Erst seit ein paar Jahren. Vielleicht vier. Mehr wohl kaum. Sie hatte auch eine gute Zeit bevor sie ihren Computer fast den ganzen Tag mindestens auf standby geschaltet hatte. Sie war viel mehr an der frischen Luft und der Körper war auch beweglicher, muskulöser und fitter. Ob sie wirklich weniger wusste? Mag sein. Ob das schlechter war? Wer weiß. Heute erfährt sie mehr als früher. Es war komplizierter in die Bücherei zu gehen und sich ein Buch mit Fakten zu suchen, die sie meinte zu brauchen. Heute googelt sie rasch, was sie wissen will und nimmt es ungenauer auf als damals, als sie Informationen noch in Bücher suchen musste und viele Zusatzinfos natürlich nicht fand. 

Früher hat sie auch öfter mal ihren Hermann nach Wissen gefragt, das ihr fehlte. Hermann weiß nämlich viel. Und aus ihren Fragen und Antworten haben sich oft Gespräche entwickelt, die für beide Seiten bereichernd waren. Fakten und Meinungen mischten sich und ergaben so wunderbar neuen Gesprächsstoff.
Heute ersetzt das schnelle Googeln oft die reale Frage, führt einen auch zu vielen Meinungen in Blogs oder auf persönlichen Websites, bietet einem in Kommentaren die Meinungen vieler anderer und frisst in der Annahme, sich mitten in einer „menschlichen“ Diskussion zu befinden, jede Menge Zeit. 

Lieschen hat oft das Gefühl, einem Thema differenziert auf den Grund gehen zu wollen. Das hatte sie schon in den Vorinternetzeiten und dafür brauchte sie Bücher, Kopien, Zeit, Muße, ihre Fähigkeit zu denken und andere Menschen. Reale. Sie erfuhr weniger, hatte aber auch oft das Gefühl, alles getan zu haben, was möglich war, in Bezug auf die Auseinandersetzung mit dem gewählten Thema. Heute ist in der wahnsinnigen Fülle von verfügbaren Fakten, Meinungen und zugänglichen Wörtern zu den einzelnen Themen kaum noch ein „Fertig“ möglich. Immer hat sie das Gefühl, hinter der nächsten Ecke, hinter dem nächsten Link befindet sich DIE Info, die ihr noch fehlt, um wirklich ein rundes Bild zu bekommen.

Das Vertrauen, das sie „von selbst“ genau das erfährt, was sie wissen muss, wenn sie es wissen muss, ist in dieser Schnelligkeit und überfließenden Informations- und Meinungsfülle beinahe abhanden gekommen. Die Gewissheit, dass sie das, was sie eben nicht weiß oder erfährt, auch nicht wissen muss, ist schon beinahe verschwunden.

Lieschen ist kurz davor, sich dieser Informationsflut, in der sie kaum noch entscheiden kann, was Fakten sind und was phantasiertes Zeugs , Vermutungen oder nur Willenserklärungen sind, zu entziehen. Manchmal, selten wohl, aber manchmal eben, schaltet  sie ihren Computer einfach einen halben Tag lang nicht an und hält aus, dass sie manches nicht oder nicht sofort erfährt. So wie früher, wenn sie das Telefon einfach ausgestöpselt hat, wenn sie ihre Ruhe wollte. Nix hat sie dadurch verpasst. Wer wirklich eine wichtige Nachricht oder ein wichtiges Anliegen hatte, hat sie erreicht. Immer. Nix Wichtiges ist dabei unter die Räder gekommen.

Dass das „Stöpselziehen“ etwas ist, das ihr schwierig geworden ist, beunruhigt sie. So wie sie gestrickt ist, wird sie eines Tages, ihren Computer mitsamt diesem ominösen Mr. Google und seinen gesammelten Links in den Schrank räumen und seine Existenz ignorieren. Oder doch nicht? „Vielleicht nicht heute“ sagt sie mitten hinein in ihre Überlegungen. „Vielleicht fange ich erst einmal mit regelmäßigen kurzen Entzügen an. Ein, zwei Tage Finger weg vom Anschaltknopf.“ Sie meint, dass der kalte Entzug zu viel für sie wäre. Jetzt jedenfalls. Morgen sieht das vielleicht anders aus.

Wie wohl andere Menschen das handhaben. Gibt es schon Kliniken für „Mr.GoogleInternetinfoJunkies“? Wenn ja, wo und wie sind die Erfahrungen? Lieschen schraubt sich statt einer klaren Entscheidung, die ihr mindestens das Überschwemmen der Küche wie bei Grete verhindern würde, in die Fragen rund um diese spezielle neuzeitliche Sucht und ihre Heilungsmöglichkeiten. Das erscheint ihr im Moment sehr interessant und sie ist froh, dass sie sicher ganz leicht Antworten finden wird. Herr Google sei Dank.

Morgen wird sie den Computer aber einmal ausgeschaltet lassen. 
Den ganzen Tag! Ganz bestimmt! Das könnt ihr glauben!





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Montag, 4. November 2013

Lieschen und die Handhabung der Axt im Haus

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 85  ---> guckst du hier  

Nachdem das Lieschen den ersten Schreck darüber überwunden hat, dass die Grete haarscharf an einem möglichen Stromschlag vorbei geschrabbelt ist, amüsiert sie sich über Grete und deren Erlebnisse am Sonntagabend. Selbst ist sie stets ratzfatz mit Hilfestellungen für Hinz und Kunz dabei und wenn sie mal Hilfe bräuchte, fragt sie nicht. Jedenfalls nicht sofort. Wie oft schon hat das Lieschen Berichte darüber gehört, dass die Grete stundenlang an irgendetwas rumgedoktort hat, obwohl es jemanden in ihrer Nähe gab oder gegeben hätte, dem es ein Leichtes gewesen wäre, das Gewünschte in kürzester Zeit für sie zu erledigen. Aber Handwerker und Computerspezialisten sind halt nicht automatisch auch Hellseher. Das kommt in deren Ausbildung ja auch gar nicht vor.

Und dann das Thema mit den Männern. Lieschen findet so einen Mann im Haushalt ja enorm praktisch. Allerdings ist es selten so wie die Grete sich das vorstellt, wenn sie im Havariefall den Mann im Haus vermisst. „Die Axt im Haus“ ersetzt selten  automatisch den „Zimmermann“. So eine „Axt“ will ja auch gefragt werden. Jedenfalls ist das Lieschens Erfahrung. Und manchmal hat die „Axt“ gerade anderes zu tun oder hat keine Lust und stellt sich taub oder repariert wohl, aber natürlich nicht dann wenn Frau das will. Und Lieschen wollte früher immer alles sofort. Und genau nach ihren Vorstellungen. Also haargenau nach ihren Vorstellungen. Das ist selten gut gegangen.

Vor dem Hermann hat das Lieschen mit einem Schreiner zusammen gelebt. „Uih“ hat sie zu Beginn der Beziehung gedacht, „das wird super. Nach und nach werden wir lauter schöne und praktische Möbel bekommen. Herrlich!“ Sie hatte Bilder von passgenau eingebauten Möbelstücken. Sie stellte sich die Wohnung völlig ohne „verschenkte Räume“ vor. Sie freute sich und hatte im Grunde die Bewerbung für den nächsten Wettbewerb in „Schöner Wohnen“ bereits fertig formuliert und quasi schon im Briefkasten. Gottseidank noch nicht wirklich, denn sie musste lernen, dass ihre Euphorie verfrüht war und die überlieferte „Weisheit“, dass ein Schuster oft die schlechtesten Schuhe trägt, vermutlich wahr ist. 

Alle. Wirklich alle anderen, die Möbel bei Lieschens Schreinerfreund bestellten, bekamen sie. Manche zahlten gut dafür und manche fragten einfach geschickt. Viel geschickter als das Lieschen. Die sagte nämlich zum Beispiel „wir brauchen … unbedingt! Bald …“. Während andere Damen erst einmal deutlich machten, wie besonders bewundernswert ein Mann mit solch handwerklichen Fähigkeiten ist. Das half schon einmal sehr. Wenn sie dann noch deutlich herausstellten, dass sie das, was sie brauchten, leider, leider gar nicht herstellen oder bezahlen könnten, wuchsen ihre Chancen sehr. Je weniger die Frauen sich bemühten, selbst handwerklich geschickt zu werden, desto fröhlicher und lieber hat „Lieschens Axt“ in deren Häusern für „Klarschiff“ gesorgt. Damals hat das die Liese wahnsinnig gemacht. Heute ist sie froh über die Erfahrung, aus der sie im Laufe der Zeit eine Menge gelernt hat. Und damit meint sie nicht nur die korrekte Handhabung eines Akkuschraubers, die Kenntnis verschiedener Holzeigenschaften und die Tatsache, dass sie weiß, was Kantenbrechen ist und das auch kann.

Heute ist sie ein großer Fan von Aufgabenteilung, weiß zu schätzen, dass der Hermann andere Dinge kann als sie und vor allem hat sie das offene Fragen und Bitten gelernt. Wenn Hermann eine Aufgabe übernommen hat, „darf“ er die machen, wann ER will und „muss“ sie nicht erledigen, wann das Lieschen meint, dass es richtig wäre, es zu tun. Auch mit einem Nein kommt die Liese mittlerweile sehr gut zurecht. Das heißt aber nicht, dass sie ihren Wunsch dann unbedingt aufgibt. Es kann sein, dass die Aufgabe in der Folge ein externer Handwerker erledigt oder sie Hermann nach seinen Wünschen und Bedingungen fragt. Manchmal tauscht sie Gefallen gegen Gefallen. Ganz explizit. Verhandeln kann das Lieschen mittlerweile prima und auch der Hermann mag das mit den Jahren immer mehr. Klarheit hilft und verhindert eine Menge „böses Blut“ .


Wäre das Lieschen in Gretes Sonntagabendsituation und der Hermann zu Hause gewesen, hätte er vermutlich sofort das Wasser abgestellt, den Fehler entdeckt und die halbe Nacht im Internet Preise für Durchlauferhitzer verglichen. Mit Gretes Satz „Morgen früh brauche ich UNBEDINGT warmes Wasser … ungeduscht geht GAR NICHT“ wäre die Liese sicher nicht durchgekommen, hätte es aber auch gar nicht versucht. Irgendetwas wäre ihr schon eingefallen, um die Ungeduschtheit optisch zu kaschieren oder sie hätte halt auf dem Weg kurz im Schwimmbad angehalten.

Mag sein, das die Grete mit ihrem Herrn Heber im Haus und einer Wohnung ganz für sich besser dran als das Lieschen. Mag sein, dass Lieses Situation die bessere ist. Wer weiß das schon?



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Lieschen und die Gewissens-Frage(n)

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 84  ---> guckst du hier  

Natürlich hat die Grete Recht. Jeder Mensch muss sein Leben so leben wie es ihm entspricht. Das hat sie gestern beim gemeinsamen Ausflug immer wieder gesagt und Lieschen hat das bestätigt. Natürlich. Reinen Gewissens möchte sich die Grete im Spiegel begegnen können. Das hat sie mit viel Nachdruck gesagt und das Lieschen hat es dann auf sich beruhen lassen. Für den Moment. Am Abend hat sie aber immer wieder einmal über diese Sache mit dem Gewissen nachgedacht. Sie weiß nicht wirklich, was ein gutes oder ein schlechtes Gewissen ist und wie das zustande kommt. Woran richtet sich das denn aus? An den eigenen Normen und Werten oder an denen der anderen, der Gesellschaft oder der Nachbarschaft.

Wenn Lieschen zum Club der Autofahrgegner gehören würde. Wenn sie aus Überzeugung, aus Gründen des Umweltschutzes oder welchen Gründen auch immer, Autofahren grundsätzlich ablehnen würde und diesen gestrigen Ausflug mit Grete aber gemacht und auch noch genossen hätte, so wie sie es ja tat, müsste sie wohl trotz der Freude ein schlechtes Gewissen haben. Denkt sie. Oder doch nicht? Würde es einen Unterschied machen, ob die „Clubmitglieder“ vom Autoausflug erführen oder sie es heimlich einfach gemacht hätte? Wonach richtet sich so ein Gewissen?

Die Grete hilft den Menschen in der Nachbarschaft ja gerne. Das Lieschen eigentlich auch. Die Liese weiß nur oft nicht, was wirklich eine Hilfe wäre. Ist es für den alten Nachbarn eine Hilfe, dass man ihm alle Arbeiten und Handlungen abnimmt oder wäre es ihm eine Hilfe, ihn in dem zu unterstützen, was er selbst noch kann? Auch wenn das Geduld erfordert und von den anderen Nachbarn als unterlassene Hilfeleistung bewertet würde? An was würde sich Lieschens Gewissen orientieren? An der Bewertung der Nachbarn, des alten Mannes oder ihrer eigenen, die Grenzüberschreitungen als „schlecht“ und respektvollen Abstand als „gut“ bezeichnet?

Was macht so ein Gewissen, wenn es sich zwischen verschiedenen Bewertungen entscheiden muss? Denn entscheiden müssen wir uns ja immer. So ein Gewissen ist da ja nicht besser dran. Meint das Lieschen, das sich während des Abends immer weiter in das gedankliche Gewissens-Problem hinein „spiralisiert“. Wo mag sie wohl auskommen? Was, so fragt sie sich auf dem Weg, ist wohl der Ursprung eines Gewissens? Und wofür ist das eigentlich gut? Oder ist es schlecht? Ist es gut ein gutes Gewissen zu haben und ist es wirklich schlecht ein schlechtes Gewissen zu haben? Oder könnte ein gutes Gewissen auch schlecht sein, weil es einen vielleicht in einer Sicherheit wiegt, die trügerisch ist und ein schlechtes Gewissen könnte vielleicht gut sein, weil die zugrunde liegende Handlung einen Menschen vielleicht zu viel Freude geführt hat, die er beim Bemühen ein gutes Gewissen zu erhalten niemals erfahren hätte?

Auf was fußt dieses ominöse Gewissen? Und aus welchem Grund wollen wir Menschen immer das „schlechte“ vermeiden und das „gute“ haben?
Ob ein schlechtes Gewissen krank macht? Das, was zu dieser Art Gewissen geführt hätte, aber durchaus gesund gewesen wäre? Und ob ein gutes Gewissen automatisch gesund erhält? Oder ist auch das völlig Zusammenhanglos?

Lieschen kommt zu keinem eindeutigen Ergebnis und unterlässt es diesmal auch, ihren Hermann mit ihren Überlegungen zu belästigen. Obwohl ihr seine Gedanken zu von ihr aufgeworfenen Themen oftmals Futter liefern, das ihr gefällt. Aber es ist Abend und Hermann hat zu tun. In seinem eigenen Universum. Angekündigt. Kein Problem, beschließt die Liese und unterlässt, wie gesagt, die Störung. Und das nicht nur, um seinen Unmut über eine Störung zu verhindern. Nein. Sie möchte auch ein reines Gewissen behalten. Oder macht sie sich da etwas vor?


Lieschen belässt es bei der Frage an sich selbst. Geht ihr aber nicht mehr aktiv nach. Stattdessen macht sie es sich gemütlich und summt. In ihrem Bett. So wie heute mit der Grete in deren Auto, das sie noch Wagen nennt und das das Autochen nun ersetzt. Sie summt und summt und summt … und schläft darüber ein. Im Traum dann ist die Liese mittendrin in diesem Balkonsingereispektakel, von dem die Grete gelesen und erzählt hatte. Ob sie zu den Gewinnerinnen gehörte, erfährt die Liese nicht mehr. Denn mittendrin klopft der Hermann an die Tür und berichtet ihr von irgendeiner Kleinigkeit, die er trotz Versprechen zu tun vergessen hatte und nun doch noch erledigt hat. „Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen als es mir einfiel“ sagte er zum verschlafenen Lieschen „und damit wollte ich den Tag natürlich nicht beenden.“





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Freitag, 1. November 2013

Lieschen und die Entschleunigung, von der ihre Gedanken nix wissen

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 83  ---> guckst du hier 

„Entschleunigt bin ich ja“ denkt das Lieschen, das gerade Gretes Entschleunigungsversuchsbericht gelesen hat „äußerlich. Äußerlich bestimmt.“ Lieschen findet vieles, was sie an Aktivitäten ihrer Mitmenschen beobachtet, völlig überflüssig. Sie telefoniert noch mit einem alten Handy, das überhaupt nicht „smart“ ist, sie verlässt das Haus nicht, weil sie unbedingt noch vor Geschäftschließung irgendetwas UNBEDINGT braucht und sie hat gelernt, sich nicht über ihre Taten zu definieren. Jedenfalls äußerlich. Wie gesagt.

Innerlich sieht das manchmal ganz anders aus. Es gibt Tage an denen rattern die Gedanken in Lieschens Kopf so schnell wie die Kommentare unter der Facebookstatusmeldung eines Prominenten Fernsehgesichts, das aus den inhaltsschweren Worten „Ich hab Euch alle lieb“ besteht und mit „wir dich auch“, „ich dich auch“ und „halt die Fresse“ im Sekundentakt beantwortet wird. Nicht unbedingt von allen 700.000 Fans, aber im Normalfall doch von vielen Tausend in den ersten Minuten. 
Der Wortlaut von Lieschens Gedanken unterscheidet sich meistens vom Inhalt der meisten Facebookkommentare, die sie kennt. Die Frequenz ist aber die gleiche. Speziell dann, wenn die Liese einfach völlig ruhig und entschleunigt rumsitzen will und es auch tut.

 „Du solltest aber doch““, „andere machen das doch auch“, „was soll denn xy von dir halten?“, „was sag ich nur, wenn ich nach meinem Beruf gefragt werde?“, „kann ich die schwarze Jacke wirklich zu dem gelben Kleid tragen?“ „sollte ich nicht doch noch los und nach einer Gelben suchen?“ „ach du meine Güte, das ganze Laub auf dem Weg, nicht dass jemand stürzt, falls es regnet“, „die Tür müsste unbedingt geputzt werden“, „wer um Gottes Willen hat weiße Eingangstüren für Häuser an vielbefahrenen Straßen ausgesucht?“, „ der Kleiderschrank müsste auch mal wieder aussortiert werden“, „ wie die Grete wohl mit dem neuen Auto zurecht kommt?“, „ob sie schon einmal, wenigstens, Probegefahren ist?“, „ob ich sie mal anrufe?“, „nein, habe ich gestern schon getan und morgen sehen wir uns ja“, „was ziehe ich bloß an, morgen?“, „ob ich mal nach dem Wetterbericht google?“, „hoffentlich hat sie im neuen Auto endlich ein Navi“, „naja wird schon werden“, „Mist, die dicke Jacke ist der Wäsche“, „ob ich doch schnell noch wasche?“, „naja für die paar Teile lohnt sich ja keine ganze Maschine“, „ziehe ich halt die etwas dünnere an“, „können wir gleich die Heizung im neuen Auto testen“, „ach du meine Güte! Ich muss die Emails von gestern noch beantworten“, „nicht jetzt“, „doch, sonst vergisst du es wieder“, „siehste, du hattest dir doch vorgenommen, alles immer sofort zu tun“, „niemals hälst du dich an deine eigenen Vorgaben“, „aber von anderen verlangst du sofortige Antworten“, „naja, die anderen sind ja auch nicht besser“, „wenn die mich lange warten lassen, kann ich das auch“, „ob die bei der NSA auch wissen, dass mir manche Emails nicht beantwortet werden?“, „ob die das interessiert?“, „wie sieht wohl mein Profil bei denen aus?“, „wissen die, das ich genügsam bin und geben mir nach dem Zusammenbruch des Geldsystems weniger Essensmarken als den anderen?“, „ob wir doch noch Vorräte anlegen sollten?“, „wird wohl noch dauern“, „ach du meine Güte, die Uhr schlägt 12, dann muss ich gleich kochen“, „erst geh ich aber eine rauchen“, „ich warte noch nen Moment“, „sonst kommt die gehetzte Nachbarin gerade von der Arbeit und sieht mich da sitzen“, die guckt eh schon immer so komisch“, „nicht das die denkt, ich täte den ganzen Tag nix“, „soll sie doch, ist doch egal“, „ne“, „naja“, „doch“ „die Blumen müssten auch wieder gegossen werden“, „ich brauche eine ToDo-liste“, „so eine wie all die erfolgreichen Leute, die es wirklich zu was gebracht haben, haben“, „haha, zu Kondensstreifen, oder was? …

Und das ist nur das mögliche Protokoll von Lieschens möglichen Gedanken innerhalb der ersten Millisekunden eines möglichen völlig entschleunigten Rumsitzens. Manchmal klappt es aber auch, dass sie dem Feuerwerk in ihrem Kopf nach kurzer Zeit die Aufmerksamkeit entzieht. Und ohne Aufmerksamkeit fühlen sich die Gedanken beim Lieschen offensichtlich nicht besonders wohl. Dann sitzt sie da und IST einfach still. Nicht schnell, nicht langsam und nicht geschwätzig. Auch nicht im Kopf. Das mag sie. Wenn das gelingt, ist sie froh und voll Elan für das, was dann kommt. Egal, ob es sich um Beschleunigtes oder Entschleunigtes handelt. Egal ob laut oder leise. Ohne die Hetzte, die die Gedanken verursachen lebt sie ganz gut, die Liese. Auch inmitten dieses Höherschnellerweiter, dem sie sich dann leicht entziehen kann. Einfach weil es keine Bedeutung für sie hat.


Ob die Grete ihre Faulheit genossen hat und wie es währenddessen in ihrem Kopf ausgesehen hat, interessiert das Lieschen aber schon noch. Sie wird sie doch anrufen. Sofort. In dem Moment, in dem sie diesen Gedanken wahrnimmt, steht sie schon am Telefon, das bei ihr ja noch mit der Wand verbunden ist, klickt auf Gretes Nummer, hört das Wählgeräusch, bald darauf Gretes Stimme und fragt sie. Ganz einfach. 



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Das Lieschen, Hermann und die Badewanne(n)

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 82  ---> guckst du hier 

Dass die Grete verspätet im Café eintraf, hat das Lieschen kaum bemerkt. So sehr war sie mit ihren eigenen  Gedanken und ihrer Erschöpfung beschäftigt. Sie hing förmlich in ihrem Stuhl und starrte, nicht wie sonst üblich die anderen Caféhausbesucher an, sondern stierte einfach aus dem Fenster. 
Nicht dass die Liese am Mittwochmorgen schon so viel getan hätte, dass eine Erschöpfung logisch gewesen wäre. Sie hatte eigentlich nichts getan. Fast gar nichts. Bereitgehalten hatte sie sich den ganzen Morgen. Der Hermann hatte gesagt „dann brauche ich dich zum Anpacken. Reinheben kann ich sie dann nicht alleine.“ Das Lieschen hatte im Vorfeld versäumt zu fragen, wann das vermutlich sein wird und er hatte von sich aus keinen Zeitpunkt genannt. Also hatte sie sich den Wecker auf frühmorgens gestellt, keine Tätigkeit begonnen, die sie ja sowieso bald unterbrechen müsste, wie sie dachte, und hat gewartet. Auf den Ruf, den sie sofort erkennen wollte, wenn er kam. Das war gar nicht so einfach, denn Hermann fluchte in unregelmäßigen Abständen. Manches Mal nur murmelnd. Oft auch laut. Lieschen hörte auch die gemurmelten Flüche. So sehr konzentrierte sie sich darauf, ihren Einsatz nicht zu verpassen und so ihren, wenn auch kleinen, aber eben, Beitrag zum Gelingen der Verbesserung zu leisten.

Als Hermann und Lieschen vor Jahren in das alte Haus eingezogen waren, befand sich eine Minidusche im Badezimmer. Eine Dusche, in der Lieschen Platzangst bekam. Und weil sie sich die Entspannung, verursacht durch das Liegen in einer Badewanne voll warmem Wasser wunderbar vorstellte, schlug sie Hermann vor, einen Handwerker zu bestellen, der ihnen die Dusche in eine Badewanne verwandeln sollte. Den Badewannenvorschlag fand der Hermann damals super, die ExterneHandwerkersache nicht. Noch am gleichen Tag hat er die Dusche aus dem Badezimmer entfernt, das Lieschen ins Auto gepackt und mit ihr eine Tour durch die örtlichen Bauhäuser zur Besichtigung der unterschiedlichsten Badewannentypen unternommen. Lieschen weiß es noch wie heute, dass sie immer wieder sagte „ eine gerade Form … und tief soll sie sein. „Jaja“ sagte der Hermann zum Lieschen und „die da“ zum Baumarktverkäufer. Er hatte sich für das Sonderangebot entschieden, das am nächsten Tag geliefert werden würde. Ein Modell in geschwungener Körperform. Wassersparend. „Viel zu klein“ hatte die Liese gemurmelt. „Quatsch“ hatte der Hermann gesagt. 
Drei Tage später lag das Lieschen in warmem Wasser. Gerne hätte sie gesagt: „gemütlich“, aber das war es nicht. Die Wanne war nämlich winzig und den Körper komplett nass zu bekommen und dabei noch entspannt zu liegen war kaum möglich. „Quatsch“ sagte der Hermann und duschte nach seinem ersten Badeversuch nur noch. Lieschen wäre nicht Lieschen, wenn sie sich nicht an die Baderei in einer Pfütze Wasser gewöhnt hätte und dieser nicht auch noch Gutes hätte abgewinnen können. Gemütlicher als Duschen war es allemal.

Ende letzter Woche nun hatte Hermann doch Lust zum Baden. Tat es und kam kurz danach zum Lieschen mit der Frage „Was hältst du davon, wenn wir einfach sagen: Fehler ist Fehler. Kann man aber ausbügeln?“ Er meinte, dass sie eine neue tiefere und geradere Badewanne kaufen sollten. Den Einbau würde er gerne wieder übernehmen. Und da fing Lieschens Anstrengung schon an. Eine irgendwie funktionierende Sache zu zerstören und sich so viel Arbeit zu machen, ist ja Lieschens Sache nicht. Jedenfalls nicht im Falle solch unhandlicher Sachen wie zum Beispiel Badewannen.
 Aber Hermann mag handwerkliche Arbeiten am Haus. Auch die großen Arbeiten. Da hat er Spaß dran. Und an der Vorstellung, eine Badewanne zu besitzen, in die er samt Wasser hinein passt hat ihn wohl auch gereizt. Also hat er wieder die Baumärktetour unternommen. Diesmal ohne das Lieschen, aber mit ihren „Anweisungen“ im Gepäck. Bestellung, Lieferung, Badewannenausbau und –einbau. Für Lieschen ein nichtüberblickbarer Akt. Für Hermann eine Freude, bei der das regelmäßige Fluchen zum Spiel gehört und nur Momentaufnahmen sind, die ER in der Sekunde wieder vergisst.
Am Mittwochmorgen musste das Lieschen nur helfen die Badewanne in die bereits ausgerichtete und „verzementierte“ Verschalung zu heben und mit der angelüpften Badewanne einen Moment rumstehen bis Hermann mit dem Verbringen der Abflussschläuche fertig war.

Das war leicht. Und doch hatte die Liese die mentale Anstrengung und Konzentration des Nichtstuns und Wartens noch enorm in den Knochen als Grete in hellster Aufregung fast mit Blaulicht im Café eintraf. Dem Lieschen war es Recht, dass die Grete so viel erlebt hatte und sie im Grunde nur Zuhören musste. Grete beruhigte sich im Laufe des Nachmittags und Lieschen erholte sich ein wenig.


Zuhause angekommen erwartete das Lieschen eine fertig geflieste und „versilikonte“ Badewanne, ein Hermann mit Muskelkater und die Aussicht auf unzählige Entspannungsbäder in einer Wanne, in der sie von  Wasser BEDECKT liegen können würde. Ein herrlicher Mittwoch also. Wie so oft schon.




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Dienstag, 29. Oktober 2013

Lieschen freut sich und kehrt vor ihrer eigenen Tür

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 81  ---> guckst du hier 

Ach, was ist das Lieschen erfreut. Sie jubiliert. Nicht nur innerlich. Nein. Sofort nachdem sie von Gretes gewonnenen Kampf gelesen hat, ist sie zum Hermann gelaufen und hat gerufen: „Siehste! Es geht nämlich ohne Lügen!“ Der wusste natürlich wie immer nicht, worum es in dieser zusammenhanglosen Mitteilung ging, antwortete aber trotzdem „Ja. Klar!“ 
Hätte er irgendetwas gefragt, hätte das Lieschen ihm vielleicht von Grete und all den verworfenen Notlügen erzählt und möglicherweise noch hinzugefügt, dass sie sehr  froh ist, dass die Grete so gut für sich gesorgt hat. Und mit der passenden Frage hätte sie womöglich sogar noch andere Details aus Gretes Bericht preisgegeben. Aber eigentlich ging es ja gar nicht darum, dass Hermann das alles erfuhr. Das Lieschen brauchte nur jemanden, dem sie ihre Freude zeigen konnte. Also lachte sie und jubilierte noch ein bisschen ohne spezielle Worte. Hermann lachte auch. Denn er freute sich über die gute Laune von seinem Lieschen und danach wahrscheinlich auch darüber, dass sie den Raum, in dem sie ihn überrascht hatte, auch wieder verließ. Hermann liebt nämlich seine Ruhe genauso wie die Gesellschaft von anderen.

„Vielleicht“ denkt die Liese als sie zurück in ihrem Zimmer ist, „vielleicht ist Gretes Absage zum Samstag für das Kindergartenfest gar kein Drama. Vielleicht ist die freigewordene Reibekuchenherstellungsstelle DIE Chance für jemand anderen, der das supergerne machen möchte. Vielleicht erkennt die Kindergartenleiterin ja ihren eigenen Fehler in der Geschichte und lernt, dass sie sich beim nächsten Mal klarer verhalten muss …“ Das Lieschen könnte noch ganz viele VIELLEICHTs anschließen. Sie liebt Möglichkeiten und hat schon oft die Erfahrung gemacht, dass die Folgen einer für sie schwierigen Entscheidung wunderbar waren. Viel wunderbarer als sie es sich selbst je vorstellen konnte. Nicht nur für sie selbst. Sondern oft auch für die anderen, die sie eigentlich mit einem erst einmal nicht ausgesprochenen Nein schützen wollte.

Sie ist so froh, dass die Grete den Samstag nun frei hat. Und das nicht nur, weil sie jetzt den gemeinsamen Ausflug machen können, der die Jungfernfahrt des neuen Autos sein soll. Nein. Das hätten sie sicher auch an einem anderen Tag machen können. In einem bereits entjungferten Auto lässt es sich ja auch noch wunderbar fahren. 

Nein. Sie ist ganz besonders froh, dass die Grete die Absage geradeheraus gesagt hat. Und dass sie auf die Lügen, die ja gewöhnlich Notlügen genannt werden verzichten konnte und keine einzige benutzt hat.
Gegen Lügen ist das Lieschen nämlich allergisch. Damit kommt sie gar nicht zurecht. Und was Notlügen sind, kann sie einfach nicht verstehen. Noch niemals hat sie eine Not gesehen, die durch irgendeine Lüge aus der Welt geschaffen wurde und noch niemals hat sie jemanden tatsächlich in einer Not gesehen, die eine Lüge wirklich verlangt hätte.

Das Lieschen träumt im Grunde von einer Welt, in der alle Menschen weder sich selbst noch andere belügen.  Sie träumt von einer Welt voller aufrechter Menschen, die hocherhobenen Hauptes für sich und ihre Überzeugungen eintreten. Aber sie hat am eigenen Leib, im Laufe ihres nun mehr gar nicht so kurzen Lebens, gelernt, dass die Welt so nicht ist. Und sie hat gelernt, dass sich Lügen bei allem Bemühen um Ehrlichkeit manchmal nicht verhindern lassen. Lieschen hat sich schon oft selbst belogen und in der Folge Dinge zu anderen gesagt, die sich nachträglich selbstverständlich auch als Lügen entpuppten. 
Wie oft hat sie „macht nix“ gesagt, wenn es doch was machte? Wie oft hat sie in ihrer Zeit als verkaufende Geschäftsfrau gesagt „das steht Ihnen wunderbar“ auch wenn das haarscharf an der Wahrheit vorbei war, weil sie verkaufen wollte oder glaubte verkaufen zu müssen. Wie oft hat sie schon gesagt „ja, mache ich gerne“ obwohl sie keine Lust dazu hatte, nur weil sie ihr Gegenüber nicht durch ein Nein verletzen wollte? Und so weiter.


Aber das Lieschen bemüht sich. Das möchte sie hier doch noch betonen. Ganz ähnlich wie die Grete heute, bemüht sie sich, für das Entstehen ihrer gewünschten lügenlosen Welt weiterhin so gut sie kann, vor der eigenen Tür zu kehren. 
Und natürlich wird sie sich weiterhin so doll freuen wie heute, wenn sie ein Bericht über das aufrechte Verwerfen von vermeintlich leichten notwendigen Lügen erreicht.



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Das Lieschen, die Fremdbestimmung und so manche Überlegung

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 80  ---> guckst du hier 

Lieschen ist froh, dass sich die meisten Uhren heutzutage automatisch umstellen. Wie von Geisterhand. Einfach so. Irgendein Computer, dem irgendwer gesagt hat, dass er einmal im Jahr mitten in der Nacht aus einer DREI eine ZWEI machen soll und später dann umgekehrt. Einfach so. Ferngesteuert ist der Computer. Ferngesteuert sind die vielen Uhren, die unsichtbar mit diesem Computer verbunden sind und auch der Mensch ist ferngesteuert. Nur dadurch?

Lieschen denkt über Gretes ZeitumstellungsundseineFolgenbericht nach. Die Grete schreibt, dass sie immer sieben Stunden schläft. Automatisch. Innere Uhr nennt sie das. Ist es das? Lieschen denkt, es könnte auch einfach eine Gewohnheit sein. Etwas, dass durch ständige Wiederholung entstanden ist.

Wie mag das überhaupt gekommen sein, dass Menschen aufgehört haben, ihr Leben am Stand der Sonne und den Erfordernissen des alltäglichen Lebens auszurichten? Wann wurde die Sonnenuhr ersetzt? Ob es eine einzelne Person war, die eines Tages gesagt hat „Hey Leute. So ein Blick an den Himmel wegen des Sonnenstandes ist veraltet. Ihr interpretiert das ja alle wie ihr wollt. So geht das nicht weiter. Damit wir uns klar und verbindlich verabreden können, müssen objektive Zahlen her. Ihr bekommt jetzt alle Uhren und nach denen habt ihr euch ab sofort zu richten“? Ob das eine Person war, der Individualität auf die Nerven ging? Eine Person, die feststellte, dass Individualisten schwerer oder gar nicht nach den eigenen Vorstellungen zu lenken sind als eine Masse, die sich an vermeintlich Objektivem orientiert? Lieschen weiß es nicht. Vermutlich ist die Geschichte der Zeit und der Uhren komplizierter. Sie könnte die Hintergründe googeln. Würde aber eh nur erfahren, was als Historie publiziert wurde und außerdem hat sie gerade Spaß an ihren Vermutungen und schrägen Überlegungen.

An denen lässt sie in Ausschnitten ihren Hermann teilnehmen. Der kennt Lieschens Art zu denken. Wundert sich nicht über ihre Schlussfolgerung, dass die Menschen wahrscheinlich nicht nur über die Zeit ferngesteuert werden und sagt, den Ausgang ihrer Überlegungen aufgreifend „Ich mag die langen Sommerabende, die es ohne die sogenannte Zeitumstellung, die ja einfach nur eine Uhrenumstellung ist, nicht gäbe“. 

DAS ist dem Lieschen nun egal. Wenn es dunkel ist, ist es halt dunkel und wenn es hell ist, ist es hell. Draußen. Solange es Elektrizität gibt und die Lampen im Haus funktionieren ist es ihr egal. Sie kann sowohl dem hellen Tagesteil als auch dem dunklen Teil des Tages Gutes abgewinnen. Aber das Lieschen muss auch nicht jeden Tag der Woche zu einer bestimmten Uhrzeit in ein Büro gehen. Da hat sie es gut. Sie arbeitet, wenn sie das möchte. Meistens. Wie gesagt, solange es Elektrizität gibt, ist sie unabhängig von den Entscheidungen des „Zeitumstellers“. Das findet sie gut und wichtig. Weiß aber natürlich, dass diese Unabhängigkeit auf tönernen Füßen steht. Denn sollte der für die Bereitstellung der Elektrizität zuständige Herr beschließen, diese abzuschalten oder eines Tages einfach nicht mehr einzuschalten, muss auch sie sich wieder umstellen. Und zwar nicht nur in der Nutzung der hellen und der dunklen Tagesteile.

Lieschen hat das im Kleinen ja schon erlebt. Das Leben mit der aufgehenden und der untergehenden Sonne und die Fokussierung auf die wesentlichen Erfordernisse und Freuden des Tages ließ sie den heutzutage so üblichen häufigen Blick auf die Uhr fast gänzlich vergessen. Erst die Ausrichtung auf Arbeit innerhalb der Gesellschaft und das damit verbundene Geld, machte Wecker und den Blick auf die Uhr wieder notwendig. So tappste sie oft im Dunklen, wohl gewaschen aber nicht geschminkt in ihr Auto und holte die Schminkerei nach, wenn die Sonne eingeschaltet wurde und das Licht den Blick in den Spiegel sinnvoll machte.

Lieschen weiß, dass ihr Leben (vielleicht nicht nur) innerhalb der Zeit fremdbestimmt ist. Wenn nicht durch Uhren dann mindestens durch den „Stand“ der Sonne. Damit hadert sie nicht. Sie sucht die Selbstbestimmung innerhalb des Unabwendbaren. Es ist ja möglich den Tag zur Nacht zu machen und umgekehrt. Es ist auch möglich, Uhren, die irgendwelche Zahlen anzeigen zu ignorieren. Jedenfalls manchmal. Auch für Arbeitnehmer. Mindestens an den freien Tagen. Oder nicht?
 Lieschen liest noch einmal bei der Grete nach, entdeckt den Plan vom sonntäglichen Spaziergang und Mittagsschlaf, kommt zu der Stelle als Herr Heinevetter und die Grete sich letztlich über das Fernsehprogramm und den Zwang am Sonntagabend um 20.15 (wann auch immer das ist) den Tatort zu schauen durch Schlaf entziehen und ist froh. Es gibt sie also auch außerhalb ihres eigenen Universums. Die (kleine) Selbstbestimmung innerhalb des Vorgegebenen. Das gefällt dem Lieschen.




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Sonntag, 27. Oktober 2013

Lieschen freut sich über das Gute-Laune-Video

Ihr Lieben,

statt eines LieschenantwortetderGretetextes 
gibt es heute den Link zu DEM Video, 
das "das Fräulein Grete Meier" heute "gebastelt" hat 
und über das sich das Lieschen sehr freut!

viel Vergnügen
beim Ansehen