Freitag, 6. September 2013

Für so etwas hat das Lieschen keine Geduld

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 48 ---> guckst du hier


Dem Lieschen ist das egal, was die Leute über sie wissen. So eine Girokonteröffnung am Schalter der Postbank inklusive Publikum, das in der Folge eine Menge unnützer Informationen sein eigen nennen könnte, wäre ihr vielleicht sogar Recht. Spart wahrscheinlich eine Menge Geld. Grete sagt ja, dass das Konto kostenlos ist. Und es spart vermutlich auch noch jede Menge Zeit! Das wäre dem Lieschen in diesem Fall das Wichtigere. Nicht dass sie keine Zeit hätte. Nein. Zeit hat sie wie eigentlich alle Menschen genug. 24 Stunden am Tag. Aber mit Zeugs verplempern, das sie nervt, möchte sie diese Zeit keinesfalls.

Lieschen wollte neulich auch ein Girokonto eröffnen. Bei der Sparkasse. Dass das eine Menge monatlicher Gebühren kostet hat sie gewusst. Für die Übersichtlichkeit wollte sie aber ein zusätzliches Konto. Die Filiale ist bei ihr in der Nähe. Und das wollte sie. Für den Notfall. Also war sie schon im Vorfeld mit den Gebühren einverstanden. Und mehr gab es ja eigentlich nicht zu entscheiden. Dachte sie.
Um also nichts von ihrer wertvollen Zeit zu verplempern hat sie bei der Sparkasse angerufen. Hat gesagt, dass sie ein Girokonto eröffnen möchte. Eins für Privatkunden und gefragt, ob sie sofort vorbei kommen könne. „Aber nein!“ hieß es am anderen Ende der Leitung. „Ich glaube Frau XY ist bereits im Urlaub und ob sie eine Vertretung hat, weiß ich gar nicht.“ 
„Uih Uih Uih“, dachte unsere Liese schon zu diesem Zeitpunkt, „eine Schulung für telefonierende Mitarbeiter sollte bei dieser Bank ganz oben auf der Todo-Liste stehen“. Es kam aber noch besser. „Das Beste ist, ich verbinde Sie – obwohl die meisten ja gerade in der Pause sind.“ Lieschen glaubte ihren Ohren nicht zu trauen, hob an, etwas wie „ach heben Sie doch ihre Konten für Leute auf, die sich gerne verarschen lassen wollen“, aber sie wurde schon mit Popmusik beschallt und hatte kein offenes Ohr mehr am anderen Ende der Leitung.

Um es kurz zu machen - das Lieschen möchte ja die Geduld der LeserInnen nicht auf eine ähnliche Probe stellen wie die, die das Leben ihr schenkte - es dauerte, aber sie bekam einen Termin für den nächsten Tag. Namen und wesentliche Angaben zur Person und zum gewünschten Konto machte sie bereits am Telefon. 
Zum Hermann sagte die Liese in ihrer Naivität  „die haben ja alle meine Angaben, vermutlich ist bereits alles vorbereitet, ich unterschreibe rasch und dann bin schnell wieder zu Hause.“ Da hatte das Lieschen aber die Rechnung ohne die Bank gemacht. Als sie zur vereinbarten Zeit in der Filiale eintraf, fand sie jemanden, dem sie nach einiger Zeit von ihrem vereinbarten Termin berichten konnte und der sagte „ach ja. Nehmen Sie da vorne Platz, die Frau Sowieso ist noch im Gespräch.“ So etwas liebt das Lieschen. Termin. Und dann warten. "Haben die Leute denn keine Uhren. Können die sich denn keine Zwischenminütchen in ihre Kalender schreiben. Können die das Gespräch denn nicht straffen, wenn sie wissen, dass die für dieses Gespräch vorrätige Zeit gleich durch die Sanduhr gelaufen ist, können die denn nicht …?" Als sich ihre Gedanken überschlugen und sie kurz davor war, die Geschäftsstelle unverrichteter Dinge zu verlassen – erhoben hatte sie sich schon und in Richtung Ausgang hatte sie sich auch bereits gedreht, kam „ihre Kundenberaterin“. Halb so alt wie das Lieschen. Führte sie zu „ihrem Platz“ und begann irgendeinen Smalltalk mit ihr. Auch das hätte wieder gedauert, vermutete die Liese also unterbrach sie die Dame freundlich aber bestimmt und wies auf ihr Anliegen hin.

Auch hier macht es die Liese wieder kurz. Viel kürzer als es sich zutrug. Auf dem Schreibtisch gab es einen riesigen Stapel Formulare. Keines davon war bereits ausgefüllt. Auf das gestrige Telefonat deutete lediglich ein Schmierzettel, auf dem Lieses Name falsch geschrieben war.
Sie wollte ein Girokonto. NUR EIN GIROKONTO! Und die Kundenberaterin stellte ca. eine Milliarde Fragen zu ihren Gewohnheiten in Sachen Geld, pries ihr Unternehmen in den höchsten Tönen, machte sich große Sorgen um Lieschens Altersvorsorge, ihren Versicherungsstand und noch so vieles mehr, das, als das Lieschen sich bereits wieder erheben wollte, in dem wunderbaren Satz endete „Die Informationen sind nötig, damit wir ihnen den besten Service ever geben können.“
 „Dann geben Sie mir ein Girokonto!“ hauchte das Lieschen mit letzter Kraft. Und die Dame verstand. „Sie wollen also nur ein Girokonto?“ „Ja.“ „Ok. Dann fangen wir an.“ Als die Dame an ihrem Schreibtisch doch noch die wichtige Frage hinzufügte „und Sie sind sicher, dass Sie keine weiteren Beratungen wünschen?“ hat die Liese den Ort des Grauens einfach wortlos verlassen.

Hermann fand, sie war lange weg und sie sehe schlecht aus. Als sie begann ihm Ausschnitte der Geschichte zu erzählen klingelte das Telefon und die Dame von der Bank versuchte es tatsächlich mit der Frage „Warum?“

Lieschen versteht nicht, dass Institute wohl in der Lage sind, ihren Angestellten enormen Druck zu machen, ihnen aber keine kundenorientierten guten Ausbildungen zukommen lassen. Oder wenigstens solche Mitarbeiter aussuchen, die in der Lage sind, Kundenaussagen zu verstehen, zu akzeptieren und dann auch noch genau darauf eingehen. So kann das doch nicht klappen.



Kommentare:

  1. "Ach Lieschen, ach Lieschen,
    schenk mir ein paar Radieschen
    aus deinem Garten vor dem Haus",

    so ging einmal der Refrain eines Schlagers.

    Ich hörte immer: "Schenk mir ein Paradieschen"

    Tust Du das? Das würde mich aber freuen! Ansonsten: Weiter so! freut sich

    Dingefinder Jörg

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  2. *lach ... ich habe mit dem Lieschen gesprochen. Natürlich sei sie bereit, dir Radieschen zu schenken, soll ich ausrichten. Für das Paradieschen bräuchte sie genauere Angaben. Sie weiß ja nicht, was eines für dich wäre.

    Jaja. So ist sie. Immer sehr genau. :-)))

    Danke fürs Reinlesen!
    lieben Gruß
    Brigitta

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  3. Lieschen, ach Lieschen,
    herrlich der kelien Spruch.
    Aber nun mal ernst. Zu so einem Bankhaus kann man
    doch kein Vertrauen haben, oder? Hast es richtig
    gemacht, dass du abgehauen bist. Das nenne ich ganz
    einfach Zivilcourage.
    Liebe Grüße und einen schönen Abend wünscht
    Irmi

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    1. Hallo, liebe Irmi,

      Tja. Ob man zu so einem Bankhaus Vertrauen haben kann? Ich denke man muss. Sind sie nicht alle in etwa so?

      Die Angestellten haben extreme Vorgaben, was sie zur Erhaltung ihres Arbeitsplatzes verkaufen müssen, und können sich das bei all dem u.a. dadurch verursachten Stress doch gar nicht mehr leisten, tatsächlich auf das einzugehen, was der Kunde möchte? Oder?

      Das Kompliment gebe ich dann an das ERFUNDENE Lieschen weiter. Ich selbst habe eine vergleichbare Situation (die ich hier satirisch erhöht habe) wohl erlebt. Bin aber bis zum Ende geblieben und habe das Bankhaus MIT neuer Girokontonummer verlassen.

      lieben Gruß und herzlichen Dank für dein so treues Lesen!
      Brigitta

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  4. Köstlich! Hier zu lesen ist auf keinen Fall verplemperte Zeit! Mein Paradebeispiel für unnütze Zeitfresser wären übrigens Haustürvertreter, die ich mir mit abgestellter Klingel vom Hals halte (für willkommene Besucher gibt´s den Hintereingang) und Telefonverkäufer, die ich schon beim Runterleiern der Begrüßungsformel unterbreche und freundlich (!) darauf hinweise, dass ich nix kaufen, testen oder geschenkt haben möchte. Aber auch das kapieren manche nicht...
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. *lach ... mit den Telefonverkäufern mache ichs genauso wie du ... und es nützt oft nichts ... Die brauchen im Regelfall ihren zweiten oder dritten Satz, um ihren Redeschwall beenden zu können. :-)))

      Dankeschön! fürs "Köstlich"! + natürlich überhaupt für den Zeiteinsatz und das Lesen! :-)))

      lieben Gruß
      Brigitta

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Herzlichen Dank für Euer Interesse und die den Blog so sehr bereichernden Kommentare!
Beides ist sowohl der Liese als auch mir eine große Freude! :-)))