Samstag, 21. September 2013

Wer nicht aktiv wählt, wählt auch. Nämlich das, was die anderen wählen.

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 54 ---> guckst du hier

„Jetzt kommen sie alle aus ihren Löchern“ denkt das Lieschen. „Und es sieht aus, als würden sie Farbe bekennen“. Doch ob das wirklich so ist, bezweifelt sie sehr. Wie die Grete in ihrem morgendlichen Gedankenwahn, ausgelöst durch die ganzseitige Tengelmanngruppenanzeige in einer renommierten(?) Tageszeitung schon sehr deutlich herausgefunden hat. Im Grunde halten sie doch alle ihr Fähnchen in den Wind. Oder gegen genau den Wind, der droht, ihnen das von Angestellten erarbeitete Geld aus der Tasche wehen zu wollen.

Wie leicht haben die beiden zur Wahl stehenden Kandidaten für das dritthöchste Amt im Staat es doch den Werbern und Beeinflussern gemacht. Zwei Gesten. Mehr nicht. Keine Inhalte. Keine Persönlichkeiten. Keine Ziele. Nur Bilder. Einfache Bilder können die, die es wollen verbreiten. Solche, die am Hirn des flüchtig Betrachtenden vorbei sofort in den Bauch marschieren und dort auf vorhandene Wünsche treffen.

Die Raute ist es wohl, die den Wunsch zur Ruhe erfüllt. Kinderträume wahr werden lässt. Verbunden mit dem Satz „Mutti wird’s schon richten“ legen sich alle wieder schlafen. 
An den nach oben gestreckten Finger heftet die Presse und mit ihr die Lobbyisten und all jene, die das Schlaflabor Deutschland gerne erhalten wollen, den prägnanten Satz: „Und wieder ein Fettnäpfchen – international ungeeignet“. Tja, denkt das Lieschen, und damit wollen wohl die Wenigsten etwas zu tun haben.

„Zu wem will ich gehen, wenn Mami und Papi, die eben noch gemeinsam zu meiner Beruhigung gewirkt haben, sich scheiden lassen?“ Mag sich der ein oder andere völlig unbewusst fragen, filosophiert das Lieschen weiter vor sich hin. „Bei wem will ich leben? Bei der wortlosen, abwartenden aber Rauteformenden Nichtaneckerin? Oder dem aggressiv Wirkenden, nach vorne Stürmenden, der mich vielleicht eines Tages auch verlässt und mir diesen Finger zeigt?“

Lieschen hofft, dass die Tengelmanns dieses Staates, die ihren Angestellten Versorgung vorgaukeln, die bei näherer Betrachtung doch nur Hunger verursacht und einen enorm hohen Preis hat, nicht ganz so viel Gehör finden, wie sie kraft ihres Geldes meinen, bekommen zu müssen.

„Eine perfekte Wahl können wir nicht treffen“ hat neulich der kluge Herr im Fernsehen gesagt, „aber wir sollten unser Möglichstes tun, uns ein Bild zu machen und dann aktiv zur Wahl gehen und unser eigenes Kreuzchen machen.“

Lieschen hofft, dass es genügend Menschen gibt, die durch breitgetretene Gesten und platte Bilder hindurch ihre eigene Meinung finden und die am Sonntag mit zwei Kreuzchen zum Ausdruck bringen.
Denn, wer nicht aktiv wählt, wählt auch. Nämlich das, was die anderen wählen.

Lieschen hat neulich ein schönes Beispiel dafür gelesen: „Es gibt drei Wähler. Man kann wählen zwischen Todesstrafe ja oder nein. Zwei Wähler entscheiden sich, nicht zu wählen. Der eine, der übrig bleibt, entscheidet: Todesstrafe: ja.“ Für sie ist klar, was sie tun wird. Sie wird wählen gehen.

Mitten in der Nacht hat die Grete noch beim Lieschen angerufen und nur kurz gesagt, dass sie am Samstag zu ihrer Tante und ihrem Onkel fahren muss. Irgendetwas ist vorgefallen. Lieschen hat es nicht genau verstanden und für Nachfragen hatte die Grete keine Zeit. Am Sonntag wird sie berichten, hat sie noch schnell gerufen und aufgelegt.

Lieschen blieb ein wenig verdattert zurück, erinnerte sich aber, dass die Grete den beiden schon vor Wochen bei der Briefwahl geholfen hatte. Was auch immer passiert ist, diese beiden Stimmen fehlen nicht – und sind vielleicht auch noch welche in Gretes Sinn.




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Kommentare:

  1. Noch wenige Stunden und das Event ist vorbei. Da ich wochenlang im Ausland war, habe ich nicht viel davom mitbekommen. Eben beim Einkaufen steht vor der Tür ein kleiner Stand einer Partei, die mit ihrer Farbe wirbt. Ich bin hin, die Beiden sahen so einsam aus und habe eine Weile mit ihnen gesprochen. Bepackt mit Material bin ich nun zu Hause angelangt.
    Es gibt drei Wähler...... so isses.
    In diesem Sinne ein schönes WE wünscht Geli

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  2. Lieschen, Geli sagt es: nur noch wenige Stunden.
    Ich habe meine Kreuzchen per Briefwahl gemacht.
    Wer nicht wählt, sollte sich auch nicht ärgern, wenn
    es anders kommt. Der Stinkefinger wurde nicht den
    Wählern gezeigt. Auch wenn die Medien es uns weis-
    machen möchten. Heute stehen sie alle noch einmal
    herum. Aber ich weiss nicht so recht, ob das noch
    Wähler beeinflussen kann. Aber das Würstchen bei
    der ... habe ich genommen, obwohl ich gerade diese
    Partei auf den Mond wünsche!
    Ein schönes Wochenende wünscht Dir
    Irmi

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  3. Auch wenn keine Partei deutliche Inhalte präsentiert, alles zu einem Einheitsbrei zusammenzuschrumpfen scheint, meine ich, dass es irgendwie eine moralische Verpflichtung zum Wählen gibt.
    Die Wahlverdrossenheit - sie hat sicher viele Ursachen. Protest ist nur eine, sehr oft ist es ein Desinteresse.
    Aber gibt man dadurch nicht ein Stück Freiheit auf, mitzubestimmen?
    Geht es uns doch zu gut, dass viele meinen, es nicht nötig zu haben? Jammern wir dann auf hohem Niveau?
    Hier sinkt die Wahlbeteiligung und anderswo müssen Menschen dafür kämpfen überhaupt ein Recht zu bekommen, aktiv mitzuwirken an der Gestaltung der Gesellschaft.
    Es ist immer einfacher, sich zu verweigern, anstatt sich konstruktiv einzubringen - und das Wählen ist m.E. ein erster Schritt.

    Das Beispiel mit der Todesstrafe ist von Lieschen hier sehr gut gewählt und regt sehr zum Nachdenken an.
    Es kann doch nicht sein, dass immer mehr Menschen mit dem Argument der Politikverdrossenheit sich verweigern, letztlich unsere demokratische Grundordnung nicht mehr zu stützen. Und das tun sie - denke ich - wenn sie nicht wählen.

    Demokratie kann nur funktionieren, wenn der Bürger sich aktiv einbringt. Ansonsten ist es ein Absurdum.

    Wieder einmal sehr gute Überlegungen von Lieschen.
    In nicht einmal 30 Stunden werden wir mehr wissen.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Enya.

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  4. ja - ich werde auch wählen gehen.
    Das Beispiel mit der Todesstrafe finde ich sehr gut.

    Danke für den guten Text. Ich habe ihn gerne gelesen :-)
    Lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  5. Hallo Brigitta,
    ich habe mir auch meine Gedanken zur Wahl gemacht. Weil ich mich für Politik nicht wirklich interessiere, habe ich mehrere Tage an diesem Post herum gedoktert. Das ist eigentlich ein Thema, das ausufert. Man könnte ein halbes Buch darüber schreiben. Das Beispiel mit der Todensstrafe finde ich sehr treffend. Danke übrigens, dass Du Dich (an ein für mich sehr schwieriges Thema) heran traust.

    Gruß Dieter

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  6. Ich war gleich ganz früh morgens wählen, ich kann es immer kaum erwarten meine Stimme abzugeben, und kann es nicht verstehen wie man kein Intresse daran haben kann, dass bischen Einfluss wahrzunehmen.

    Es müsste ja jetzt bald die ersten Hochrechnungen geben.

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