Sonntag, 8. September 2013

Lieschens Gepäckneurose und noch mehr

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 50 ---> guckst du hier

Das ist ja eine Überraschung fürs Lieschen. Das Fräulein Grete Meier fährt in Urlaub. Ganz plötzlich. Für eine Woche. „Gut so“ denkt das Lieschen nachdem es sich von der Überraschung und dem Kofferpackbericht erholt hat. „Gut, dass Berta Kalts Freundin krank geworden ist und die Grete für die Freundin einspringen soll.“ Das Lieschen macht sich nämlich schon länger ein bisschen Sorgen um die Grete. Die arbeitet immer so viel und gönnt sich außer mittwochs  keine wirklichen Ruhezeiten. 
Schon manchmal hat die Liese zu ihr gesagt „du solltest mal in Urlaub fahren. Gönn dir mal echte Erholung“. Aber die Grete ist nicht so gut darin, sich auszuruhen oder einfach etwas zu tun, was nur für sie selbst ist. Immer denkt sie an die anderen. Wie die wohl zurechtkommen, wenn sie nicht da ist. Und wenn sie das dann so hin und her überlegt, stellt sie sich selbst wieder hinten an und sagt „ach, weißt du, Lieschen, Urlaub kann ich auch demnächst noch machen.“

Und jetzt hat das Leben selbst organisiert, dass die Grete fährt. Freundin krank. Keine Zeit zum Überlegen und Grete erweist mit ihrem Urlaub der Frau Kalt auch noch einen Gefallen. Gutes Leben, du.

Über Gretes Art den Koffer zu packen hat sich das Lieschen natürlich vor Lachen ausgeschüttet. Schon alleine die Beschreibung von dem großen Koffer. Lieschen selbst ist ja eine Gepäckneurotikerin. Wenn sie verreist nimmt sie immer den gleichen Koffer. Der ist ganz klein. Flugzeughandgepäckgröße. Wenn sie den ganz voll macht hat sie maximal 10 Kilo Gepäck. Egal wie lange das Lieschen unterwegs sein will. Mehr nimmt sie nicht mit. Schließlich will sie ja beweglich sein. Und mehr als diese 10 Kilo kann sie ohne Mühe nicht auf Laufbänder, in Züge oder auf Treppen transportieren. Und Mühe soll so eine Reise ja nicht machen. Findet jedenfalls die Liese.

Neulich hat sie mitten in der Nacht ein Ehepaar am Bahnhof getroffen. Sie selbst hatte ihr Miniköfferchen für eine Woche Süden im Winter dabei. Die beiden hatten jeder einen Riesenkoffer. Lieschen vermutete eine Überseereise, die mindestens einen Monat dauern würde. Aber nein. Die beiden waren unterwegs zu einer DREITÄGIGEN Reise nach Dresden. Die Frau sagte „man weiß ja nie, was man so braucht.“ Und der Mann fügte hinzu „sogar ein Pfund Kaffee hat sie eingepackt.“ 
Sie unterhielten sich während der Fahrt zum Flughafen so angeregt über das Leben, die Vorsorge und das, was man im Leben wirklich braucht, dass sie beinahe vergessen hätten am Ziel aus der Eisenbahn auszusteigen. Solche Gespräche mag das Lieschen. Und auch das Ergebnis, das sie wohl nicht beabsichtigt hat, das aber offensichtlich eingetreten ist. Denn vor nicht allzu langer Zeit hat sie die Frau dieser nächtlichen Fahrt auf der Straße getroffen. Die hat sie gleich wieder erkannt, sie als die Frau mit dem kleinen Koffer angesprochen und gesagt „bei der nächsten Reise lasse ich auch das meiste zu Hause. Ich habe so gut wie nichts aus dem Koffer gebraucht. Den kleineren habe ich schon gekauft.“ Solche Rückmeldungen freuen die Liese. Auch wenn sie es niemals darauf anlegen würde.

Und jetzt ist sie ganz froh über Gretes Urlaub. Sie ist schon jetzt gespannt, welche neuen Eindrücke und Ideen sie mit nach Hause bringen wird. Auf den Bericht freut sie sich schon jetzt. Es geht doch nichts über einen Tapetenwechsel, über einen Ausbruch aus dem täglichen Einerlei. „Das wird der Grete gut tun“ bekräftigt sie noch einmal. „Und auch dem Chef und der Hausgemeinschaft“ schiebt sie hinterher, „die wissen die Grete hinterher wahrscheinlich noch ein bisschen mehr zu schätzen.“

Und auch sie selbst freut sich schon auf ihre Rückkehr. Wünscht ihr aber erst einmal einen wunderbaren Urlaub! 



Kommentare:

  1. Klar, dass Lieschen sich freut über Gretes Spontanurlaub. Sie hat ja auch gemerkt, dass der Freundin so etwas gut tun wird.

    Ich hätte mir denken können, wie Lieschen reist, was das Gepäck angeht.Dafür bewundere ich sie. Bei mir klappt das nicht so, aber Schuld ist eher mein Göttergatte, der bis zuletzt Sachen aus dem Koffer holt und jeweils dafür drei andere wieder hineinpackt.
    Ich muss gestehen: Ehe wir dann mit drei Koffern reisen, lasse ich heimlich das eine oder andere Teil wieder verschwinden. Vermisst hat er noch nichts.

    Was ist das eigentlich, dass viele Menschen glauben lässt, sie müssten im Urlaub wirlich für alle Eventualitäten gerüstet sein? Mag man auf Bequemlichkeiten nicht verzichten? Braucht möglichst viel Vertrautes? Ich weiß es nicht.
    Wenn dem so wäre, dann müsste man gar nicht reisen. Ich finde, dazu gehört auch, dass eben vieles mal ganz anders ist als Zuhause.

    Vielleicht müssten noch viel mehr Menschen dem Lieschen zuhören, um ihre Meinung zu ändern.

    Wie das Lieschen freue ich mich auch für Grete und über das Leben, das manchmal so gut sein kann, uns die Hand ausstreckt, die wir dann nur greifen müssen.

    Wieder wunderbar geschrieben. Ein Schmankerl zum Wochenendeausklang.
    lg
    Enya

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  2. Lieschen, du Liebe,
    so hatte ich dich eingschätzt. Ein ganz kleiner Koffer.
    Ich reise auch nicht gern mit großem Gepäck. Ich hasse es
    wenn ich später den Koffer wieder auspacken muss.
    Aber das wollte ich nicht erzählen. Ich freue mich auch über diese spontane Reise. Grete hat es verdient, mal etwas auszuspannen. Und der Chef hat ja auch Klasse reagiert. Das ist nicht immer so.
    Ich bin soooo gespannt, was sie erzählt. vor allen Dingen von den Bergwanderungen!
    Du musst nun den Mittwoch allein verbringen. Schade! Aber eine Woche ist ja schnell vorbei.
    Einen schönen Restabend wünscht dir
    Irmi

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  3. ich bin auch ein Freund der kleinen Koffer.
    Es macht Spaß hier zu lesen :-)

    ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche (ohne Grete).
    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  4. Hallo Lieschen,
    Urlaub und Koffer packen sind tatsächlich ein aufregendes Thema. Welche Menge wir packen müssen, hängt entscheidend vom Reiseziel ab. Urlaub in Südeuropa (ist bei uns Spanien) ist unkritisch, da nur leichte Wäsche (T-Shirts, kurze Hosen, ...) gebraucht wird. Schwierig wird es Deutschland. Da kann das Wetter extrem schwanken. Da musst Du von unangenehm kühl bis irre heiß alles mithaben. Und das verursacht dann u.U. soviel Kofferpack-Streß, dass wir eine regelrechte Angst haben, am Urlaubsort die Hälfte vergessen zu haben.

    Gruß Dieter

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  5. Ach du meine Güte! Ich habe völlig vergessen, Euch zu antworten. Heute, mit dieser Verspätung mache ich einfach einen "Rundumschlag" und rufe ein lautes und herzliches DANKE in die Runde zu Euch treuen LeserInnen und KommentatorInnen. Ihr macht mir viel Freude!

    Merci beaucoup!!!

    Am Sonntag, den 15. gehts hier weiter mit Liese.

    Gehabt Euch wohl bis dahin!!!

    lieben Gruß
    Brigitta

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  6. Auweia, ich muss wohl zugeben, dass ich meistens auch viel zuviel einpacke - für den eventuellen Fall der Fälle, der dann meistens doch nicht eintritt...
    ;)
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Achso: Kaffee hab ich tatsächlich auch schon mal mitgenommen, hihi... - weil ich wusste, dass es vorort mit der Versorgung schlecht aussehen würde.

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Herzlichen Dank für Euer Interesse und die den Blog so sehr bereichernden Kommentare!
Beides ist sowohl der Liese als auch mir eine große Freude! :-)))