Samstag, 31. August 2013

Lieschen überlegt am Wochenende

Lieschens Antwort auf Fräulein Grete Meiers Post Nr. 43 ---> guckst du hier

Wenn die Frau von der Leyen meint, dass eine Selbstausbeutung der Beschäftigten vermieden werden soll und das in ihrem Ministerium angeblich tatsächlich umsetzt, dann kann der Herr Seibert, seines Zeichens Pressesprecher der Bundesregierung und noch so einiges mehr, ja von Glück sagen, dass er nicht direkt im Bundesarbeitsministerium angestellt ist. Dann wäre der seinen Job ja schnell los. Oder wäre Miss Perfect dann doch nicht ganz so konsequent, auch wenn sie sicher sein könnte, dass ein Mitarbeiter nicht nur bereit ist, sich selbst auszubeuten, sondern es auch noch tut?

Das Lieschen hat nämlich gehört, dass der Herr Seibert sein I-phone nieeeemals ausschaltet. Er war ganz verwundert als ihn der junge interviewende Schnösel danach fragte. „Natürlich nicht! Das ist mein wichtigstes Arbeitsgerät! Und oft geht es um Sekunden! Und natürlich auch in der Nacht. Es kann ja überall auf der Welt immer irgend etwas passieren“ hat er gesagt und ganz rote Bäckchen hat er dabei gehabt. Als er noch Nachrichten vorgelesen hat, wirkte er entspannter, findet die Liese. Da hat er auch noch ganze Wochen frei gehabt, glaubt sie. Ist das nicht so geregelt? Eine Woche Arbeit, eine Woche frei? So ein Arbeitsrhythmus würde dem Lieschen auch liegen.

Aber zurück zu dieser Politikerin mit den vielen Kindern in einer anderen Stadt. Was heißt denn diese neue Regelung wirklich? ‚Zugeschnitten auf die unterschiedlichen Ressorts‘. Heißt das, dass der Chef von der Wilde, wenn er die gleiche Regelung einführen würde, sagen könnte „Och. Liebe Frau Wilde. Gerne. Doch Ihr Ressort ist 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche besetzt zu halten. Aber. Versprochen. Nach Feierabend werde ich Sie nicht anrufen und Ihnen auch keine Emails schicken.“

Ist doch eine schwammige Sache, die uns da kurz vor der Bundestagswahl aus dem Arbeitsministerium vermeldet wird, findet das Lieschen. Soll ja schon seit Mai gelten. Warum erfährt die Welt genau heute davon? An einem Samstag. Am Samstag vor dem Kanzlerduell. Einen Tag bevor die Gefahr besteht, dass die Presse, die ja bislang den Herausforderer der Chefin der Tochter von Herrn Albrecht, unisono runter geschrieben hat, vielleicht beginnt, ihn genauso systematisch hoch zuschreiben? Frei nach dem Motto. „Och. Hat der sich gut geschlagen gegen die Mutti“.

In diesem Wahlkampf zählen ja wahrscheinlich die kleinsten Details. Und mit so was kann eine Partei ja punkten. „Och Mensch!“ werden jetzt vielleicht manche sagen. „Bei der Frau möchte ich auch gerne angestellt sein. Ist ja viel besser als bei mir. In welcher Partei ist die noch gleich?“ Wenn Frau von der Leyen Glück hat, dann gibt es in der Nähe der Fragenden jemanden, der zufällig weiß, welche Partei das ist und wenn sie noch mehr Glück hat, schließlich hängt ja ihr Arbeitsplatz direkt davon ab, dann wird derjenige am 22. zur Wahl gehen und vorsichtshalber beide Kreuze bei der CDU machen. Weil die Frau von der Leyen so eine wunderbare Chefin ist. So schön lächelt. So taff ist und überhaupt.

Lieschen glaubt nicht an Zufälle in diesem Geschäft, dass sich Politik nennt. Sie glaubt auch kaum jemandem dort, dass es ihm wirklich um die Menschen geht. Nicht im eigenen Ministerium und nicht im Staat. 
Außer vielleicht dem Kanzlerinnen-Herausforderer. Der muss doch mit dem Klammerbeutel gebügelt sein, dass er sich das antut. Ob der vielleicht wirklich was Gutes bewirken will? Zu direkt und zu hart finden ihn die Menschen. Als er geweint hat, fanden sie ihn zu weich. Oder stimmt das gar nicht und das ist nur, was die Zeitungsmacher, die ja auch froh über ihren Job sind, schreiben müssen, damit sie diesen RundumdieUhrjob, den sie ja auch nicht verlieren wollen, behalten können?

Ach. Dem Lieschen schwirrt wieder der Kopf. Sie kennt sie ja alle nicht und doch hört sie dauernd Meldungen und Meinungen, denen sie wie ein Pawlowscher Hund hinterher läuft und erst wenn sie mitten drin ist, darüber nachdenken kann, was da eigentlich gespielt wird.


Lieschen ist froh, dass die Grete ein freies Wochenende hat und wünscht der Frau Wilde, dass sie bald auch eines haben wird. Aber vielleicht fehlt der Frau Wilde dazu, noch mehr als diese Meldung aus dem Arbeitsministerium, ein kleines bisschen Selbstbewusstsein und Mut, einfach mal probeweise ein kleines NEIN in die Welt zu hauchen. Wer weiß. 

Ein neues bundesweites Gesetz ist es ja nicht, das da heute breit getreten wurde. 





Kommentare:

  1. Jetzt fällt mir grade kein guter, noch nicht mal ein origineller Kommentar ein. Aber das Bild ist ganz große Klasse. Von wem ist es?

    Der (dumme) Drache

    AntwortenLöschen
  2. *lach ... von mir ... hab ich mit GIMP persönlich gebastelt :-)))
    Das konnte der Drache ja auch gar nicht wissen. :-)))

    Danke!
    lieben Gruß
    Brigitta

    AntwortenLöschen
  3. Diese Angelegenheit hast du ja mal vom Feinsten zerlegt - kann ich nur noch grinsen und ein bisschen mit dem Kopp nicken...
    Liebe Grüße
    Christiane

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Merci, Merci! :-)))

      Ein Grinsen beim Leser ist ein prima Ergebnis der Schreiberei.
      Ich sach das der Liese weiter. Die wird sich auch freuen! :-)))

      lieben Gruß!


      Löschen
  4. Also, dass sich das Lieschen Mueller eine eigene Künstlerin hält, finde ich bemerkenswert.
    Auch wenn ich diese Brigitte Wullenweber nicht kenne. In welchem Museum findet man ihre Kunstwerke??

    Der (immer noch dumme) Drache

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach ja. Das Lieschen kann ja nicht ALLES selber machen. Und da hat sie sich halt eine gesucht, die 1A Bilder basteln kann und auch noch mit Zahlen versieht. Das Lieschen bestand ja auf nummerierten Beiträgen. So isse halt. Immer schön ordentlich.

      Fürs Museum hat sie die nicht freigegeben. Sie besteht selbst auf Exklusivität. Sind ja jetzt ihre verzierten Nummern. :-)))

      Löschen
  5. „Bei der Frau möchte ich auch gern angestellt sein“ – na ja, so mag man denken und dann wirklich ins Grübeln kommen, was die Wahl angeht. Es könnte ja sein, dass...ja, dass ein solcher Beschluss um sich greift, sich ausdehnt und nicht nur in der Familie des Ministeriums bleibt. Für mich kann ich mir das nicht vorstellen. Ich werde auch am Wochenende mit Emails bombadiert: „Hallo Frau K., die Jeannette hat ihr Mäppchen in der Schule vergessen, jetzt kann sie ihre Hausaufgaben nicht mit Füller schreiben...“ oder „Dem Kurt ist seine Kappe heute geklaut worden, bitte kümmern Sie sich darum...“ – als hätten die Kinder keinen Mund. Zum Glück kann ich das ignorieren, was leider nicht jeder arbeitende Mensch kann.

    Aber der Herr Seibert zeigt ja, dass viele sich diesem Beschluss vielleicht gar nicht anschließen möchten, da sie befürchten, dann im Nachteil zu sein.
    Überall gegenwärtig, nichts verpassen, immer erreichbar sein – das hat sich nicht nur in der Arbeitswelt breit gemacht, sondern auch im privaten Bereich.

    Tja, ich denke auch, dass es im Grunde (leider) nicht um die Menschen geht, sondern einfach taktische Gründe hat. Frau von der Leyen wird doch wissen, dass sie so nicht eine „Selbstausbeutung“ verhindern kann. Aber es macht sich gut zum jetzigen Zeitpunkt.

    Lieschen hat das wirklich gut durchdacht.
    Nun hoffe ich mal, dass sie ein störungsfreies Wochenende hatte (und die Grete auch).
    Mein Handy war aus und der PC auch die meiste Zeit. Was ja zur Folge hat, dass ich mit dem Lesen hier und dem Kommentieren hinterherhinke...Tja...

    Lieben Gruß
    Enya

    AntwortenLöschen

Herzlichen Dank für Euer Interesse und die den Blog so sehr bereichernden Kommentare!
Beides ist sowohl der Liese als auch mir eine große Freude! :-)))